KI-Bildung hinter Mauern – unser Besuch bei der JVA Bochum
Unser Besuch bei der JVA Bochum: Wie KI-Bildung hinter Mauern Resozialisierung, digitale Teilhabe und echten Dialog möglich macht.
Von Mathias Hallerbach · 2026-05-06
Im Mai 2026 waren wir zum ersten Mal zu Gast in der Justizvollzugsanstalt Bochum – eingeladen zum Berufsinformationstag gemeinsam mit der Agentur für Arbeit und dem Jobcenter Bochum. Was als ungewohnter Einsatzort begann, wurde zu einem der eindrücklichsten Tage unserer bisherigen Arbeit. Wir haben mit Inhaftierten über Künstliche Intelligenz, Bildung und berufliche Perspektiven gesprochen – offen, neugierig und auf Augenhöhe. Die Gespräche haben gezeigt: Das Bedürfnis nach Orientierung und Anschluss ist groß – auch und gerade dort, wo der Zugang zur digitalen Welt seit Jahren fehlt. Digitale Resozialisierung ist keine Randnotiz. Sie ist eine gesellschaftliche Aufgabe. Und sie beginnt mit echtem Gespräch.
Ein Ort, der nachdenklich macht
Wer die schweren Tore der Justizvollzugsanstalt Bochum durchquert, spürt unmittelbar, dass sich hinter diesen Mauern eine eigene Welt befindet. Eine Welt, in der Zeit langsamer vergeht und technologische Entwicklungen oft nur aus der Distanz wahrgenommen werden.
Genau dorthin führte Martin und mich der Berufsinformationstag, zu dem wir gemeinsam mit der Agentur für Arbeit, dem Jobcenter Bochum und mehreren Unternehmen eingeladen waren. Für manche der beteiligten Organisationen war es ein vertrauter Termin. Für uns bei SOLANIUS war es der erste Besuch in einer JVA. Zugleich war es eine Begegnung mit einer Frage, die weit über diesen Ort hinausreicht:
Was bedeutet Resozialisierung in einer Gesellschaft, die sich digital immer schneller verändert?
Schon beim Sammeln an der Eingangspforte lag eine besondere Stimmung in der Luft. Neugier, Unsicherheit und eine gewisse Anspannung waren spürbar. Was uns erwartete, wussten wir nicht genau. Vielleicht war gerade das der Grund, warum dieser Tag einen bleibenden Eindruck hinterlassen hat.
Zwischen Tor und Turnhalle
Nach der Einlasskontrolle, bei der Handys abgegeben werden mussten und keine Elektronik mitgeführt werden durfte, wurden wir von Frau Schmidt, pädagogische Fachkraft für Resozialisierung, empfangen und zur Sporthalle begleitet. Der Weg führte durch lange, sterile Gänge und über den Gefängnishof mit seinem umzäunten Sportplatz.
Nichts daran war spektakulär inszeniert. Gerade diese Sachlichkeit machte den Ort eindrücklich.
In der Halle herrschte zunächst routinierte Ruhe. Stände wurden aufgebaut, Kaffee ausgeschenkt, letzte Gespräche geführt. Dann öffnete sich die Tür und etwa 30 bis 40 Inhaftierte betraten die Halle. Nach einer kurzen Begrüßung und Vorstellung der Unternehmen begann etwas, das weit mehr war als eine klassische Informationsveranstaltung: ein ehrlicher Austausch.
Künstliche Intelligenz hinter Mauern
Als wir über Künstliche Intelligenz und ihre Bedeutung für Arbeit und Alltag sprachen, wurde schnell deutlich, wie groß das Interesse an diesem Thema war. Viele kannten Begriffe wie ChatGPT oder KI aus Fernsehdokumentationen oder Nachrichtenbeiträgen. Eigene Erfahrungen hatten die meisten jedoch nie gemacht.
Some of the inmates have been in prison for many years. Some have never worked with social media. Others have only observed the digitalization of everyday life from a distance. While digital communication, platforms, and AI systems have become commonplace outside, a technological gap often arises within these walls, widening each year.
Precisely for this reason, the conversations were remarkably open and reflective.
A young man openly explained why he was incarcerated. A few minutes later, he spoke in a remarkably nuanced way about technological developments, career prospects, and the value of education. Others asked if AI could help alleviate loneliness or facilitate re-entry into professional life.
One question posed by a participant made us particularly thoughtful:
"What if a screen with AI could talk to us, in a way that you could actually learn something?"
The sentence hung in the air.
Not because it suggested a simple technical solution. But because it made visible that AI becomes relevant in places where it is not primarily about efficiency, but about orientation, self-efficacy, and connection.
Digital alienation as a reintegration issue
What we experienced that day is also increasingly described by research: people released after long prison sentences often return to a society that is digitally hardly comparable to the world they left when they were incarcerated.
Housing, work, contact with authorities, application processes, banking, and even social relationships are today highly mediated by digital means. Those who have had no access to these developments for years often experience not only social but also technological alienation after their release.
Researchers like Jan Reisdorf or Rianne Rikard describe this state as an additional form of social disadvantage. Lack of digital routines become an independent barrier to social reintegration. Especially older or long-term inmates often experience a veritable technology shock after their release.
Digital participation is thus increasingly becoming a social issue.
Today, rehabilitation no longer means just work, housing, and stability. It also means enabling people to reconnect with a digitized society. This is precisely where a challenge lies that goes far beyond traditional computer courses.
Learning spaces are needed that create orientation. Spaces where people are not only explained technological developments but also given the opportunity to understand and contextualize digital systems autonomously.
What we take away
For us, this day was far more than an unusual place to work. It broadened our perspective on AI, education, and social participation.
The conversations showed how great the need for orientation is, even in an environment largely cut off from the digital world. At the same time, it became clear what potential technology-assisted learning and dialogue systems can hold if they are human-centered and designed with social integration in mind.
Not as a substitute for human relationships. Not as a technological solution for complex social problems. But as a tool that can support people in finding connection, structure, and new perspectives.
The openness with which many of the inmates spoke about the future, education, and technological developments was impressive. Precisely where opportunities for social advancement often appear limited, it becomes visible how powerfully education and sincere dialogue can work.
Talking about AI behind walls does not, therefore, mean bringing technology into an unusual space. It means talking about connectivity, self-efficacy, and the future.
Digitale Resozialisierung beginnt dort, wo Menschen nicht nur auf eine veränderte Welt vorbereitet werden, sondern wieder lernen, sich in ihr zu bewegen.
How SOLANIUS supports you
Wir von SOLANIUS unterstützen Arbeitssuchende dabei, durch praxisorientierte Weiterbildungen genau die KI-Skills aufzubauen, die heute am Arbeitsmarkt händeringend gesucht werden. Gleichzeitig begleiten wir Unternehmen dabei, ihre Belegschaft gezielt für den digitalen Wandel zu qualifizieren und KI-Anwendungen handfest in den betrieblichen Alltag zu integrieren.
Lass uns sprechen. Vereinbare jetzt ein kostenfreies Beratungsgespräch.
Bei der Erstellung dieses Beitrags hat Künstliche Intelligenz unterstützt – etwa beim Titelbild (Midjourney), Recherche, Textoptimierung und Formulierungshilfe. Idee, Struktur und Argumentation stammen von Mathias.