SOLANIUS – KI-Weiterbildung & Coaching

KI im Mittelstand: laut auf Linkedin, heimlich im Betrieb.

Warum beide Bilder stimmen und was das für Ihr Unternehmen bedeutet: Zwischen Konzern-Schlagzeilen und Schatten-KI im Mittelstand liegt die Lücke zwischen individueller Nutzung und betrieblicher Wertschöpfung.

Von Martin Salwiczek · 2026-08-14

Geschäftsführer von Mittelständlern stehen gerade vor einem Rätsel. Auf LinkedIn lesen sie, dass KI ganze Abteilungen ersetzt. In ihrem Betrieb passiert … eigentlich nichts. Und doch: Wenn sie nachfragen, stellt sich heraus, dass ein Mitarbeiter längst ChatGPT für E-Mails nutzt. Ein anderer nutzt den Copilot für seine Protokolle, eine Dritte Gemini für die Bilderstellung. Dazwischen steht die Geschäftsführung und fragt sich, ob das KI-Thema nur ein Hype ist, oder sie doch was verpasst.

Der folgende Text gibt Einblick in einige aktuelle Zahlen und zeigt auf, warum die Einführung von KI in Unternehmen nicht nur ein technisches, sondern vor allem ein organisatorisches Thema ist. Zudem werden mögliche erste Schritte für Unternehmer aufgezeigt.

Selbst die Statistik ist sich uneinig

Wie viele deutsche Unternehmen nutzen KI? Das ifo-Institut kommt für Mai 2026 auf 54,5 Prozent, nach 40,9 Prozent ein Jahr zuvor. Bitkom meldet für 2026 41 Prozent aktive Nutzung. Beide Erhebungen sind aktuell und seriös. Sie befragen nur unterschiedliche Betriebe und zählen jede Form von Nutzung – der gelegentliche Chatbot genauso wie KI in der Fertigungssteuerung.

Interessanter ist die Aufschlüsselung nach Größe. Beim ifo-Institut liegen Großunternehmen bei 67,2 Prozent, kleine Firmen bei 51,2 und mittlere bei nur 47,2. Die Mitte hängt nicht nur hinter den Konzernen, sondern auch hinter den Kleinen. Konzerne haben eigene Digitalabteilungen, Kleinstbetriebe probieren niedrigschwellig etwas aus, und dazwischen steckt der gewachsene Mittelständler mit eingefahrenen Abläufen, ohne freie Zeit und ohne eigene IT.

Die Quoten sagen, wer wie weit ist. Warum die Wahrnehmung so weit auseinandergeht, sagen sie nicht. Dafür muss man nicht auf Betriebsgrößen schauen, sondern darauf, was öffentlich stattfindet und was nicht.

Das Laute und das Leise

Sichtbar ist die eine Seite: Konzerne, die abbauen. In den USA, wo die meisten dieser Meldungen entstehen, wurden 2025 rund 55.000 angekündigte Stellenstreichungen mit KI begründet, ein Vielfaches der Vorjahre. Das bekannteste Beispiel ist Klarna: Der KI-Assistent erledige die Arbeit von etwa 700 Vollzeitkräften, hieß es. Später räumte der Gründer Qualitätsprobleme im Kundenservice ein und setzte wieder mehr auf Menschen. Kein Einzelfall: In einer Befragung von 600 Personalverantwortlichen mit KI-bedingtem Stellenabbau berichteten rund zwei Drittel, einen Teil dieser Rollen wieder besetzt zu haben. Wer Personal ersetzt, ohne auf die Qualität der Arbeit zu achten, holt es später zurück.

Unsichtbar bleibt die andere Seite: der Mittelstand. Institutionell passiert wenig, doch die Belegschaft hat längst begonnen. Laut einer Studie der Software AG nutzt rund die Hälfte der 6.000 befragten Wissensarbeiter KI-Werkzeuge, die das Unternehmen weder kennt noch freigegeben hat, also Schatten-KI. Die Gegenprobe von der Unternehmensseite bestätigt das: In einer repräsentativen Bitkom-Umfrage unter 604 Betrieben ab 20 Beschäftigten vermuten 42 Prozent private KI-Nutzung, nur 29 Prozent können sie sicher ausschließen, und erst 23 Prozent haben Regeln dafür.

Hier zeigt sich zum einem echter Bedarf, zum anderen ein Risiko, weil Firmendaten in Werkzeuge fließen, die niemand geprüft hat. Solange auf Führungsebene nichts entschieden wird, entscheidet jeder Mitarbeiter für sich allein. Und weil diese Entscheidungen niemand mitbekommt, sieht der Betrieb von außen so aus, als passiere nichts.

Nutzung ist noch keine Wertschöpfung

Zwischen diesen beiden Enden liegt die Frage, die in jeder zweiten Diskussion auftaucht: Wird KI überschätzt? Eine MIT-Studie von 2025 ging als „95 Prozent scheitern“ durch die Presse: So viele der untersuchten KI-Pilotprojekte in Unternehmen zeigten keinen messbaren wirtschaftlichen Effekt. Die Begründung ist interessanter als die Zahl. Es fehle nicht an Infrastruktur, Budget oder Fachkräften – die Systeme selbst lernten nicht. Sie behielten kein Feedback, passten sich dem Kontext nicht an und ließen sich nicht in die tatsächlichen Abläufe einpassen.

Eine Studie im Auftrag des nordrhein-westfälischen Arbeitsministeriums setzt für Deutschland noch früher an: KI werde in der Praxis kaum strategisch in der Wertschöpfung eingesetzt, in kleinen und mittleren Unternehmen gehe die Einführung besonders langsam voran. Das MIT erklärt also, warum Projekte scheitern – die NRW-Studie zeigt, dass es vielerorts gar nicht so weit kommt.

Zusammen ergibt das eine unbequeme Diagnose: Das Problem deutscher Unternehmen ist weder zu wenig KI noch zu wenig Begeisterung, sondern die Lücke zwischen individueller Nutzung und betrieblicher Wertschöpfung. Wer sich privat seine Mails schneller schreiben lässt, spart eigene Zeit. Für den Betrieb ändert sich nichts, solange die Arbeit nicht anders organisiert wird.

Das Weltwirtschaftsforum hat mit PwC untersucht, was die Unternehmen anders machen, die mit KI tatsächlich Geld verdienen. Sie verändern doppelt so häufig ihre Arbeitsabläufe wie der Rest. Sie kaufen KI also nicht einfach dazu, sondern ordnen die Arbeit darum herum neu.

Volkswirtschaftlich lohnt sich der Umbau: Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung rechnet über 15 Jahre mit 0,8 Prozentpunkten mehr Wachstum pro Jahr und rund 4,5 Billionen Euro zusätzlicher Wertschöpfung – bei etwa gleich vielen Arbeitsplätzen, von denen aber rund 1,6 Millionen auf- oder abgebaut werden. Betroffen sind diesmal vor allem Expert:innen und Spezialist:innen, weniger die Hilfs- und Fachkräfte.

Was tatsächlich funktioniert

Am besten wirkt KI dort, wo sie einem Menschen mehr ermöglicht, statt ihn zu ersetzen. Zwei Beispiele aus unserer Arbeit.

Für einen Kunden haben wir aus einer Bauskizze ein Drohnenflug-Video der geplanten Gebäude erzeugt, das ein physisches Architekturmodell ersetzte. Gegenüber externem Modellbau lag die Ersparnis bei bis zu 5.000 Euro. Hier automatisiert KI keinen Arbeitsplatz weg. Sie macht etwas möglich, das vorher am Budget scheiterte.

Im Einzelcoaching mit dem Marketingleiter eines öffentlichen Arbeitgebers haben wir einen KI-Assistenten als Persona gebaut. Seine Aufgabe war es, die eigenen Werbematerialien zu challengen. Er lieferte Impulse, mit denen sich die Texte näher am Kunden schärfen ließen. Entschieden hat weiterhin der Marketingleiter. Die KI hat ihm den kritischen Blick geliefert, für den im Alltag oft niemand Zeit hat.

Zwei Einzelfälle beweisen nichts. Das Muster findet sich aber auch in großen Untersuchungen. Eine Stanford-Studie mit über 5.000 Servicekräften zeigte durch KI-Assistenz 14 Prozent mehr Produktivität, bei den unerfahrenen Mitarbeitern sogar 34 Prozent: Das System gab den Neuen weiter, was die Erfahrenen sich über Jahre angeeignet hatten.

In beiden Fällen hat ein Mensch das Ergebnis beurteilt. Das bleibt nötig, denn ein falsches KI-Ergebnis klingt genauso überzeugend wie ein richtiges.

Was Sie morgen tun können

Aus den Befunden dieses Textes folgen vier Schritte:

1. Machen Sie die Schatten-KI sichtbar Ein Verbot verlagert die Nutzung nur dorthin, wo niemand sie mehr sieht. Fragen Sie offen ab, wer welches Werkzeug wofür benutzt. Das kostet eine Stunde und zeigt, wo im Betrieb der Bedarf wirklich sitzt.

2. Stellen Sie ein offizielles Werkzeug bereit und regeln Sie den Umgang schriftlich Welche Daten dürfen hinein, welche nicht, wer entscheidet im Zweifel. Das muss kein Regelwerk sein, aber es muss verbindlich und auffindbar sein. Wer eine brauchbare Alternative bekommt, weicht nicht mehr auf Privates aus.

3. Fangen Sie bei einer echten Aufgabe an, nicht bei der größten Etwas Wiederkehrendes, das Zeit frisst und bei dem ein Fehler keinen Schaden anrichtet: ein Angebot vorformulieren, ein Protokoll zusammenfassen, einen Text challengen lassen. Daran lernt ein Team mehr als an jeder Präsentation über Digitalisierung.

4. Machen Sie aus dem Versuch einen Ablauf Wenn ein Anwendungsfall funktioniert, beginnt die Arbeit erst: An welcher Stelle sitzt die KI künftig, wer nutzt sie dort verbindlich, wer prüft das Ergebnis? Erst hier wird aus persönlicher Zeitersparnis ein betrieblicher Vorteil. Dieser Schritt ist der unbequemste, weil er eingespielte Abläufe berührt – deshalb überspringen ihn die meisten.

Warum das an Weiterbildung hängt

Von Technik, Prozess und Kompetenz ist die Kompetenz der Faktor, den man nicht einkaufen kann. Ein Werkzeug ist bestellt, ein Ablauf beschrieben, aber Urteilsfähigkeit entsteht nur im Betrieb selbst. Das Weltwirtschaftsforum erwartet, dass sich bis 2030 knapp 40 Prozent der heute gefragten Kompetenzen verändern; 63 Prozent der Arbeitgeber nennen die Kompetenzlücke als größte Hürde ihrer Transformation. Für Deutschland benennt Bitkom fehlendes Know-how als eines der größten Hemmnisse.

Dazu kommt eine Pflicht, die viele nicht auf dem Schirm haben: Artikel 4 der KI-Verordnung verlangt seit Februar 2025 Maßnahmen für die KI-Kompetenz der Mitarbeiter, seit dem 27. Juli 2026 in entschärfter Form, überwacht seit dem 2. August 2026. Die Rechtslage ist aber der schwächste Grund.

Wer ein Werkzeug nicht versteht, benutzt es entweder gar nicht oder vertraut ihm blind – beides macht Menschen kleiner, als sie sind. Wer weiß, was die Maschine kann und wo sie irrt, bleibt derjenige, der entscheidet. Darum geht es uns: nicht Menschen an eine Technologie anzupassen, sondern ihnen die Sicherheit zu geben, souverän mit ihr umzugehen.

Wie Solanius unterstützt

Wir im Ruhrgebiet kennen Strukturwandel. Wir wissen, dass er selten an der Technik scheitert und fast immer daran, ob die Menschen mitgenommen werden. Genau da setzen wir an. Menschenzentriert heißt für uns: Der Einzelne wird gesehen und in die Lage versetzt, KI als Werkzeug zu nutzen, während er die Verantwortung behält.

Es geht nicht darum, Ihnen ein Werkzeug zu verkaufen. Es geht darum, Ihre Leute so weit zu bringen, dass sie es beherrschen. Wenn Sie wissen wollen, wo Ihr Unternehmen zwischen den beiden Polen steht, sprechen Sie mit uns. Das erste Gespräch kostet nichts.

Heute lernen, was morgen zählt.

Bei der Erstellung dieses Beitrags hat Künstliche Intelligenz unterstützt – etwa beim Titelbild (Midjourney), Recherche, Textoptimierung und Formulierungshilfe. Idee, Struktur und Argumentation stammen von Martin.