SOLANIUS – KI-Weiterbildung & Coaching

Vom Terminator zur Currywurst: Der Auftakt der Reihe „KI für Oberhausener Unternehmen“

Rund 35 Menschen diskutierten beim Auftakt der Reihe „KI für Oberhausener Unternehmen“, was KI Betrieben heute praktisch bringt – zwischen konkreten Anwendungen, offenen Fragen und Currywurst.

Von Martin Salwiczek · 2026-09-29

Dass der Showroom im Technologiezentrum Oberhausen etwas mit unserem Thema zu tun hat, wurde uns erst klar, als Hartmut Scholl den Nachmittag eröffnete. In genau diesem Raum, erzählte der Vorsitzende des Business Partner Clubs Oberhausen, stand schon Arnold Schwarzenegger, damals bei der Eröffnung des Centro. Wer bei Schwarzenegger und KI an den Terminator denkt, liegt nicht falsch. Um Weltuntergangsszenarien ging es an diesem Freitagnachmittag aber nicht. Es ging um die Frage, was KI einem Oberhausener Betrieb heute praktisch bringt.

Rund 35 Menschen waren zur Auftaktveranstaltung der Reihe „KI für Oberhausener Unternehmen“ gekommen. Von denen, die sich angemeldet hatten, blieb fast niemand weg. Das allein sagt einiges darüber, wie sehr das Thema die Leute beschäftigt. Genauso bemerkenswert war die Mischung im Raum: Inhaber kleiner und mittlerer Betriebe saßen neben Marketingagenturen und Einzelunternehmern, dazu kamen Stimmen aus Bildung und Arbeitsmarkt, von der VHS bis zur Agentur für Arbeit. Gastgeber war der Business Partner Club, organisiert haben den Abend Solanius und Code & Clicks.

Die Technik ist weit. Die Betriebe sind es noch nicht.

Martin Salwiczek von Solanius hat seinen Vortrag „KI zwischen Hype und Realität“ bewusst in zwei Hälften geteilt. Die erste zeigte, was heute technisch geht. Sein Beispiel: ein einziger Satz als Auftrag an ein KI-Modell, einen kompakten humanoiden Roboter zu entwerfen. Nach rund zwei Stunden Laufzeit und etwa 26 Euro Kosten lag ein kompletter Entwurf vor. Ein Team hätte dafür Tage gebraucht, eher Wochen.

Die zweite Hälfte schaute in die Betriebe. 23 Prozent der Unternehmen mit 10 bis 49 Beschäftigten setzen KI ein (Destatis, 2025). Gleichzeitig nutzen 62 Prozent der Beschäftigten KI am Arbeitsplatz (BAuA, Befragung 2024). Die eine Zahl zählt Betriebe, die andere Menschen, direkt vergleichen lässt sich das nicht. Zusammen zeigen sie trotzdem, wo es hakt: Viele Mitarbeitende nutzen KI längst auf eigene Faust und meist ohne Regeln. Im Betrieb als System ist sie noch nicht angekommen.

Drei Beispiele aus der Praxis machten das greifbar. Ein KI-Assistent, der als Persona „Kalle“ im Ruhrpott-Ton ehrliches Feedback zu einem Flyer gibt. Eine Begrüßung für neue Mitglieder, die Gemini Notebook in wenigen Minuten als Präsentation, Video und Podcast aufbereitet. Und eine Bauskizze, aus der ein Drohnenvideo wird, für ein Werkzeug-Abo von 36 Euro statt eines Architekturmodells für rund 5.000 Euro. Eindrucksvolle Beispiele, aber: In allen drei Fällen sitzt eine Person vor einem Werkzeug und erledigt eine Aufgabe. Danach ist Schluss, nichts davon ist ein Prozess.

Grob überschlagen aus den Destatis-Zahlen automatisieren nur etwa 7 von 100 Betrieben Arbeitsabläufe mit KI. Den Grund liefert eine Prognos-Studie für das NRW-Arbeitsministerium: „Kritisches operatives Wissen und Arbeitsabläufe liegen im Kopf des Geschäftsführers.“ Was nicht dokumentiert ist, lässt sich nicht standardisieren. Und was nicht standardisiert ist, lässt sich nicht automatisieren.

Wissen aus den Köpfen holen

Genau an dieser Stelle übernahm Hartmut Scholl, der als Geschäftsführer der reflact AG KI-gestützte Lernsysteme entwickelt. Ihm ging es weniger um einzelne Tools oder technische Features. Spannend wird es aus seiner Sicht dort, wo sich konkret zeigen lässt, wie KI Menschen im Arbeitsalltag unterstützt, Wissen nutzbar macht und bestehende Prozesse sinnvoll erweitert oder verändert.

Dafür stellte er drei Beispiele vor. Im ersten arbeiten Welcome-, Service- oder Beratungsbots eng mit dem menschlichen Team zusammen. Im zweiten geht es darum, kritisches Wissen zu sichern und nutzbar zu machen: wenn erfahrene Mitarbeitende ausscheiden, aber genauso im laufenden Alltag, auf der Baustelle oder im Service. Das dritte führt vom Kundengespräch zum Angebot und weiter bis zum Auftrag. Informationen aus dem Gespräch werden aufgenommen und weiterverarbeitet, Angebote vorbereitet, und die nächsten Schritte im Vertrieb laufen mit Unterstützung. Damit knüpfte er an das Zwischenfazit aus dem Vortrag an: Alle drei Beispiele reichen über eine einzelne Aufgabe hinaus und greifen in Abläufe ein.

Seine Botschaft: Wer KI einführt, sollte drei Dinge zusammendenken. KI-Erfahrungen, die man anfassen kann, den Blick auf die Kunden und Mitarbeitende, die mitgenommen werden.

Drei Tische, drei Blickwinkel

Danach waren die Gäste dran. Philip Ronden und Maximilian Lieber von Code & Clicks, die den Abend mitorganisiert haben, erklärten das Format und moderierten den Wechsel zwischen den Tischen. Im World Café wanderten die Gäste zwischen drei Tischen und hielten auf Karten fest, was sie beschäftigt.

Am Tisch „KI in der Anwendung“ mit Maximilian Lieber ging es darum, wo KI heute schon im Einsatz ist. Die Antworten reichten von Transkription, Vorlagen und Präsentationen über Kaltakquise bis zum Programmieren per Spracheingabe. Genannt wurden ChatGPT, M365 Copilot, Gemini Notebook, Langdock und Claude. Bei der Frage nach Regeln hingen zwei Karten nebeneinander, die gut zeigen, wie offen das Thema ist: „Einführung eines frAIday“ und „KI-freier Freitag“.

Am Tisch „KI als Herausforderung“ mit Philip Ronden wurde es grundsätzlich. „Spart KI wirklich (immer) Zeit?“, fragte eine Karte. „Kann ich KI-Agenten trauen?“, eine andere. Dazu kamen Lizenzen, Schatten-KI, rechtliche Fragen und die Sorge, dass KI Texte und Bilder gleichmacht. Rot hervorgehoben war eine einzige Karte: „Expertenflut“. Gemeint war, dass mit KI plötzlich alle zu Experten werden oder sich zumindest dafür halten. Das entwertet ein Stück weit Expertise im klassischen Sinn, die sich jemand über Jahre erarbeitet hat.

Am Tisch „KI als Chance“ mit Martin Salwiczek standen die Wünsche. KI soll weniger Fehler machen und nachfragen, statt zu halluzinieren. Sie soll Bürokratie abnehmen, um mehr Zeit für menschliche Begegnung zu schaffen. Gefragt waren Beispiele nah an der eigenen Realität und persönliche Ansprechpartner. Und mehr als eine Karte sah die Führung in der Pflicht, wenn sich die Kultur im Betrieb ändern soll.

Nach dem World Café kam etwas auf den Tisch, das im Ruhrgebiet zu einem guten Abend einfach dazugehört: Currywurst, von Hartmut Scholl selbst gemacht. Kaum jemand hatte es danach eilig. Die meisten blieben noch lange, und die Gespräche von den Tischen gingen einfach weiter.

Was wir mitnehmen

Die Karte mit der Expertenflut passt zu dem, was der ganze Nachmittag gezeigt hat. Wenn KI jedem fachkundig klingende Antworten liefert, wird das wertvoller, was sich nicht erzeugen lässt: Erfahrung aus dem eigenen Betrieb. Genau dieses Wissen steckt laut Prognos-Studie im Kopf des Geschäftsführers, und genau dort setzt Hartmut Scholl mit seinem Beispiel zur Wissenssicherung an. Für uns bei Solanius ist das der Kern unserer Arbeit. KI ist ein Werkzeug, Urteil und Verantwortung bleiben beim Menschen.

Deshalb hat Martin Salwiczek am Ende seines Vortrags den Gedanken des Netzwerks betont: KI ist ein Thema mit so vielen unterschiedlichen Erfahrungen und Perspektiven, dass Schulungen und Vorträge nur ein erster Schritt sein können. Um Oberhausen beim Thema KI nach vorne zu bringen, ist der Austausch untereinander unverzichtbar.

Der Nachmittag hat das bestätigt. An den Tischen saßen Leute, die gerade erst fragen, welches Werkzeug sie überhaupt nutzen sollen, neben Leuten, die schon eigene Anwendungen bauen. Genau darin liegt der Wert des Formats. Wer zwei Schritte weiter ist, kann dem, der davorsteht, mehr erzählen als jede Folie.